Was ist ein EMS-Dienstleister?
EMS steht für Electronics Manufacturing Services. Ein EMS-Dienstleister fertigt elektronische Baugruppen im Auftrag anderer Unternehmen: Er beschafft die Bauteile, bestückt und lötet die Leiterplatten, prüft die Baugruppen und liefert sie aus. Das Produkt und seine Entwicklung gehören dem Auftraggeber, die Fertigung liegt beim Dienstleister. Der deutschsprachige Markt reicht vom Betrieb mit einer einzigen Linie bis zum Konzern mit mehreren Werken.
Wofür die Abkürzung EMS sonst noch steht
In der Elektronik meint EMS immer Electronics Manufacturing Services. Außerhalb dieses Fachgebiets steht dieselbe Abkürzung für ganz anderes: für Energiemanagementsysteme in der Gebäude- und Energietechnik, für elektrische Muskelstimulation im Sport, und im englischen Sprachraum für Emergency Medical Services, also den Rettungsdienst. Wer einen Fertigungsdienstleister sucht, kommt deshalb mit den Schreibweisen EMS-Dienstleister oder EMS-Fertiger schneller ans Ziel als mit der Abkürzung allein.
Was ein EMS-Dienstleister übernimmt
Der übliche Leistungsumfang beginnt bei der Beschaffung: Bauteile einkaufen, Verfügbarkeiten prüfen, bei Abkündigungen Ersatztypen vorschlagen. Es folgen Bestückung und Löten, die optische und elektrische Prüfung und die Fertigungsdokumentation. Viele Anbieter gehen darüber hinaus und übernehmen Endmontage, Gehäusebau, Programmierung, Funktionsprüfung mit kundenspezifischen Testadaptern sowie Lagerhaltung und Versand an den Endkunden. Nicht enthalten ist im klassischen EMS-Modell die Entwicklung der Schaltung selbst: Das Design kommt vom Auftraggeber.
EMS, E²MS und ODM: der Unterschied
Die drei Modelle unterscheiden sich darin, wem das Design gehört. Ein EMS-Dienstleister fertigt nach fremdem Design. Ein E²MS-Anbieter bietet zusätzlich Entwicklungsleistung an, vom Layout bis zur Qualifizierung der Baugruppe, das Ergebnis gehört aber weiterhin dem Auftraggeber. Ein ODM entwickelt ein eigenes Produkt und fertigt es, der Kunde verkauft es unter seinem Namen. Für die Kalkulation ist der Unterschied erheblich: Nur im EMS-Fall ist der Fertigungsdatensatz von Anfang an fremdbestimmt.
Woran sich EMS-Dienstleister unterscheiden
Vier Merkmale trennen die Anbieter voneinander. Erstens die Losgröße, auf die ein Betrieb ausgelegt ist: Prototypen und Kleinserien verlangen häufiges Umrüsten, Serien verlangen Durchsatz. Zweitens die beherrschte Technik, etwa Feinstpitch, BGA und QFN, THT-Bestückung, Selektivlöten oder Verguss. Drittens die Qualifikationen: die Abnahmeklasse nach IPC-A-610, dazu ISO 13485 für Medizintechnik oder IATF 16949 für Automotive. Viertens das Beschaffungsmodell, also ob der Dienstleister die Bauteile selbst einkauft oder ob der Auftraggeber sie beistellt.
Was ein Angebot eines EMS-Dienstleisters bestimmt
Ein Angebot besteht aus drei Blöcken. Der Materialanteil folgt den Bauteilpreisen und damit der Stückzahl, weil Staffelpreise und Mindestbestellmengen greifen. Der Fertigungsanteil folgt der Maschinenzeit: Bestückvorgänge, Rüstaufwand, Lötverfahren, Prüfschritte. Dazu kommen die einmaligen Kosten (NRE) für Lotpastenschablone, Bestückprogramm, Testadapter und Erstmusterprüfung. Sie fallen unabhängig von der Stückzahl an und schlagen bei kleinen Losen entsprechend stark durch. Deshalb ändert sich der Stückpreis mit der Losgröße oft stärker, als der reine Materialpreis erwarten lässt.
Wo das bei PCBoffer vorkommt
PCBoffer ist die Software, mit der EMS-Dienstleister diese Angebote rechnen, und kein weiterer Fertiger. Stückliste und Fertigungsdatensatz werden eingelesen, Preise und Verfügbarkeiten kommen live aus über 350 Distributorenkatalogen, und der Fertigungsanteil wird gegen den eigenen Maschinenpark gerechnet statt gegen einen Erfahrungswert. Für OEM-Auftraggeber entsteht dieselbe Rechnung von der anderen Seite, schon während der Entwicklung.
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