Was ist eine Stückliste (BOM)?
Eine Stückliste ist das Verzeichnis aller Teile, aus denen ein Produkt gefertigt wird. BOM ist die englische Abkürzung dafür, bill of materials. In der Elektronik ist sie die Datei, aus der Preis, Beschaffung und Fertigung einer Baugruppe entstehen.
BOM: die Abkürzung, und was sie bedeutet
BOM steht für bill of materials, auf Deutsch Stückliste. Beide Bezeichnungen meinen dasselbe Dokument: die Liste aller Bauteile, Baugruppen und Materialien, die in ein Produkt eingehen, jeweils mit Menge. Im Elektronik-Alltag wird meist die englische Abkürzung benutzt, auch in deutschsprachigen Entwicklungsabteilungen, weil die Layoutprogramme sie so exportieren. Wer BOM-Liste sagt, sagt streng genommen zweimal Liste, gemeint ist trotzdem dasselbe.
Welche Arten von Stücklisten gibt es?
Nach dem Aufbau unterscheidet man drei Formen. Die Mengenübersichtsstückliste nennt nur, welches Teil wie oft im fertigen Produkt steckt, ohne jede Struktur. Die Strukturstückliste bildet den Aufbau über alle Ebenen ab, vom Endgerät über die Baugruppe bis zum einzelnen Widerstand. Die Baukastenstückliste beschreibt jeweils nur eine Ebene, dafür einmal je Baugruppe, und das Produkt wird daraus zusammengesetzt. In der Elektronik kommt eine zweite Unterscheidung dazu, die im Alltag wichtiger ist als die erste: die Konstruktionsstückliste, die aus dem Layoutprogramm fällt, und die Fertigungsstückliste, die zusätzlich Verpackungsform, Bestückungsvarianten und Verbrauchsmaterial wie Lotpaste führt.
eBOM und mBOM: Entwicklungsstückliste gegen Fertigungsstückliste
Dieselbe Baugruppe hat zwei Stücklisten, und die Verwechslung kostet regelmäßig einen Fertigungslauf. Die eBOM, die Entwicklungsstückliste, fällt aus dem Layoutprogramm und beschreibt die Schaltung: welches Bauteil an welchem Platz sitzt, mit welchem Wert und in welcher Bauform. Sie ist nach Referenzbezeichnern geordnet, R1 bis R48, und nennt oft nur den Wert, nicht das kaufbare Teil.
Die mBOM, die Fertigungsstückliste, entsteht daraus für Einkauf und Fertigung. Drei Dinge kommen hinzu: gleiche Bauteile werden zu einer Position zusammengefasst, sodass aus achtundvierzig einzelnen Widerständen eine Zeile mit der Menge 48 wird. Jede Position bekommt eine Herstellerteilenummer und die zugehörigen Einkaufsdaten, denn ein Wert von 100 nF ist keine Bestellung. Und zugelassene Ersatztypen werden hinterlegt, damit die Fertigung bei einer Abkündigung nicht stillsteht. Dazu kommt, was auf der Leiterplatte nicht sichtbar ist: Lotpaste, Schablone, Verpackung, Bestückungsvarianten.
Wer die eBOM direkt in den Einkauf gibt, bekommt sie zurück. Wer sie von Hand überträgt, verliert die Verbindung zur Entwicklung, sobald sich eine Position ändert. PCBoffer macht diesen Schritt beim Upload und hält beide Seiten aneinander: die eBOM bleibt die Quelle, die beschaffungsfähige Liste wird daraus abgeleitet und behält ihren Versionsstand.
Was in einer Elektronik-Stückliste stehen muss
Vier Angaben je Position entscheiden darüber, ob aus der Liste überhaupt ein Preis werden kann: die Herstellerteilenummer mit dem zugehörigen Hersteller, die Menge je Baugruppe, der Referenzbezeichner wie R12 oder C7, der die Stelle auf der Leiterplatte benennt, und die Bauform. Fehlt die Bauform, bleibt offen, ob ein Bauteil im Gehäuse 0402 gemeint ist oder ein bedrahtetes, und beide unterscheiden sich im Fertigungsaufwand deutlich. Ebenso gehören Positionen dazu, die ausdrücklich nicht bestückt werden, im Englischen do not populate: fehlt der Vermerk, zahlt jemand für Bauteile, die nie auf die Platine kommen.
BOM-Management: warum die Liste selten stimmt
Eine Stückliste ist kein festes Dokument. Bauteile werden abgekündigt, Hersteller ändern Teilenummern, Entwicklung und Einkauf arbeiten an unterschiedlichen Ständen, und in Tabellenkalkulationen entstehen Schreibweisen derselben Teilenummer, die keine Suche mehr zusammenführt. BOM-Management heißt deshalb: jede Position auf ein real existierendes Bauteil zurückführen, jeden Stand nachweisen können und wissen, welcher Stand tatsächlich gefertigt wurde. Das ist der Unterschied zwischen einer Liste und einem Datensatz, auf den sich eine Kalkulation stützen darf.
Wo das bei PCBoffer vorkommt
PCBoffer liest eine Kundenstückliste in beliebigem Tabellenformat ein, erkennt die Spaltenzuordnung und lässt sie bestätigen, bevor gerechnet wird. Anschließend wird jede Position einem Bauteil aus einer normalisierten Datenbank zugeordnet, und aus derselben Zuordnung entstehen Preis, Bezugsquelle und Fertigungsaufwand.
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